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Zur Außen- und Innenpolitik ab 1933
 
(Auch hier beschränke ich mich auf Vorgänge, die in Schulbüchern kaum oder gar nicht dargestellt sind.)
 
1. Außenpolitik: geheim Krieg – öffentlich Frieden
 
Hitler hatte in seinem Buch „Mein Kampf“ seine außenpolitischen Ziele dargestellt: Krieg gegen Frankreich, „Lebensraum im Osten“ usw.
Am 3. Februar (wenige Tage nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler) erschien Hitler überraschend bei der Geburtstagsfeier eines Generals und hielt (spontan?) eine kurze Rede. Einer der anwesenden Generäle machte sich Notizen auf einem Zettel. Demgemäß sprach Hitler von der bevorstehenden Aufrüstung, von geplanten Kriegen gegen Frankreich, für Lebensraum im Osten. Der Inhalt dieser Rede Hitlers gelangte durch Spionage in die Hände Stalins (FAZ vom 2. Mai 2005).  
Am 17. Mai hielt Hitler im Reichstag seine ersten Rede zur Außenpolitik. Hitler lehnte jeden Krieg ab, betonte seine Friedensliebe und erklärte seine Bereitschaft, offene Fragen durch Verträge beizulegen. In einer einstimmigen Resolution stellte sich der Reichstag „geschlossen hinter die Reichsregierung“. Auch die SPD-Reichstagsmitglieder stimmten hier für Hitler, obwohl viele ihrer prominenten Mitglieder schon verhaftet waren. (Alfred Schickel, Vergessene Zeitgeschichte, Herbig, 1985, S.47) Trotzdem wurde die SPD einen Monat später verboten. Der Widerspruch zwischen Hitlers „friedlicher“ Außenpolitik und seinem Krieg gegen seine Gegner in Deutschland wurde nicht beachtet.
Geheim hat Hitler von Anfang an auf den Krieg hingearbeitet. Ein Beleg dafür ist seine Ansprache vor den Generälen, seine geheime Denkschrift zum Vierjahresplan von 1936 („Die deutsche Wirtschaft muß in vier Jahren kriegsfähig sein.“ Weltkr. u. Rev. S. 322) und seine geheime Besprechung mit den höchsten Offizieren 1937 (sog. Hoßbach-Niederschrift). Öffentlich hat Hitler jahrelang seine Friedensliebe betont und nur Gerechtigkeit für das deutsche Volk gefordert. Dadurch hat Hitler jahrelang westlichen Demokratien und ihre Politiker getäuscht. Nur Stalin hat ihn von Anfang an durchschaut und von Anfang an damit gerechnet, daß Hitler einen Krieg gegen die Sowjetunion plante.
Den Politikern der Weimarer Republik war es gelungen, viele diskriminierende Bestimmungen des Versailler Vertrages durch neue Verträge im Einverständnis mit den ehemaligen Feinden abzuschaffen. Einen letzten Revisionserfolg gab es für die Weimarer Republik im Dezember 1932: Deutschland wurde als grundsätzlich gleichberechtigt in Rüstungsangelegenheiten anerkannt. Deutschland sollte aber abgerüstet bleiben, und auf der gleichzeitig beginnenden Abrüstungskonferenz sollte nun über die Abrüstung der anderen Staaten verhandelt werden. Im Frieden von Versailles hatten alle Unterzeichnerstaaten sich verpflichtet abzurüsten; jetzt machten sie sich endlich daran, diese Verpflichtung einzulösen. Hitler wollte aber aufrüsten. Als 1933 bei der Abrüstungskonferenz in Genf diplomatische Verwicklungen aufkamen, nahm Hitler diese zum Anlaß, unter Friedensbeteuerungen aus der Abrüstungskonferenz und aus dem Völkerbund auszutreten (19. Oktober 1933). Das bedeutete Konfrontation und stand im Widerspruch zu Hitlers bekundeter Vertrags- und Friedensbereitschaft. Die schwachen deutschen Truppen wurden in Alarmbereitschaft versetzt für den Fall, daß Deutschlands Nachbarn militärisch gegen Deutschland vorgingen. Polen war dazu bereit, Frankreich war dagegen. Am 12. November ließ Hitler ein Plebiszit abhalten. Die Deutschen sollten die Frage beantworten: „Billigst Du, deutscher Mann, und Du, deutsche Frau, die Politik Deiner Reichsregierung?“ Gleichzeitig war mit dem Plebiszit die Bestätigung einer NSDAP-Einheitsliste für den Reichstag verbunden. Das offizielle Ergebnis: Beteiligung 96%, davon Ja 95%, Nein oder ungültig 5%. Bei der Agitation zu dieser Volksabstimmung warben die Nationalsozialisten mit „Lloyd-George-Plakaten“, die Zitate aus Reden Lloyd Georges trugen wie: „Das Recht steht auf Deutschlands Seite“; „Wie lange würden wir Engländer eine Demütigung unter ähnlichen Umständen dulden?“  (Ursachen und Folgen, Band 10, S. 57)
Nachdem Hitler Reichskanzler geworden war, fürchtete man in Großbritannien Krieg. Die Zeitungen zitierten aus Hitlers „Mein Kampf“ die Abschnitte über Krieg und Eroberung. Der sudetendeutsche Sozialdemokrat Wenzel Jaksch schrieb nach dem zweiten Weltkrieg ein sehr wichtiges Buch „Europas Weg nach Potsdam“. Darin erklärt er auch, warum Großbritannien bis zum Kriegsausbruch 1939 Hitler ständig nachgab. Er schreibt (S. 280): „In England setzte eine neue Welle der Kritik an den Friedensverträgen ein. Der Diplomat Harold Nicolson, der als britischer Experte an den Grenzziehungen von 1919 mitgewirkt hatte, lieferte mit einer glänzend geschriebenen Darstellung der Friedenskonferenz den Anhängern einer Vertragsrevision wirksame Waffen. Sein Büchlein `Peacemaking 1919` erschien 1933 und hatte 1934 schon die vierte Auflage erreicht, um 1937 noch einmal in ein er billigen Volksausgabe verbreitet zu werden. Das unruhige Gewissen der Nation wollte die Wahrheit über den Charakter des Versailler Frieden erfahren. Die Wahrheit, die es erfuhr, war danach angetan, alle moralischen Begründungen der Friedensdiktate überhaupt in Frage zu stellen. Nicolson wies nach, daß die Alliierten ihr Wort, das sie den Deutschen beim Abschluß des Waffenstillstandes gaben, durch Geheimvereinbarungen gebrochen hatten. Von 23 Friedensbedingungen, die Präsident Wilson verkündet hatte (einschließlich der vierzehn Punkte und der vier Grundsätze), waren nach diesem Zeugnis durch die Pariser Vorortverträge neunzehn in flagranter Weise verletzt worden. Der Länderschacher in der Kommission für die Neustaaten, die Besorgnisse Lloyd Georges und die Verzweiflung des südafrikanischen Staatsmanns Smuts über die zahlreichen zynischen Verletzungen des Selbstbestimmungsrechts wurden vor einem Lesepublikum ausgebreitet, das begierig nach einer Erklärung für die dramatischen Vorgänge in Deutschland suchte. Dies leitete erst recht dem tödlichen Irrtum Vorschub, Hitler wäre nur ein Symbol des empörten deutschen Rechtsbewußtseins, dem man nun endlich Konzessionen machen müsse.“ 
Daß dieser „tödliche Irrtum“ überhaupt entstehen konnte, war die Schuld der Siegermächte, die 1919 Deutschlands Zustimmung zum ungerechten Frieden von Versailles durch Kriegsdrohung erpreßt hatten. (Siehe dazu das Kapitel „Versailles“) Indem Großbritannien in den nächste Jahren ständig Hitler nachgab, wollte es den Fehler von 1919 wieder gutmachen; es machte dabei aber einen neuen verhängnisvollen Fehler. Gegenüber den friedlichen demokratischen Politikern der Weimarer Republik war man nicht so großzügig gewesen; erst als man merkte, daß man bei Hitler den Betrug von 1919 mit Krieg würde verteidigen müssen, bekam man ein schlechtes Gewissen, und man war plötzlich bereit, den Forderungen des Diktators nach Gerechtigkeit und Gleichberechtigung nachzugeben.
Man darf den Blick nicht nur auf Deutschland und Hitler richten. Auf Expansionskurs waren damals auch Japan, das 1931 die Mandschurei, einen Teil des chinesischen Reiches, besetzte. Als Japan deshalb mit dem Völkerbund Ärger bekam, trat Japan einfach aus dem Völkerbund aus. Auch Stalin beobachtete genau, was an seiner östlichen Flanke (Japan) und in Europa (Deutschland) geschah, und wartete auf seine Chance, die Grenzen der Sowjetunion zu erweitern. Mussolini in Italien wollte Mittelmeergebiete erobern. Da die USA den Vertrag von Versailles nicht ratifiziert hatten, hatten sie sich aus der Verantwortung für Europa zurückgezogen. Die Hauptmächte, die den 1919 geschaffenen Zustand erhalten wollten, waren also Frankreich und Großbritannien. In beiden Ländern gab es keine Bereitschaft, Hitler mit militärischen Maßnahmen zu stoppen. Friedenssehnsucht war die Grundstimmung. Die britische Labour-Party (in der Opposition) war strikt pazifistisch und forderte einseitige britische Abrüstung, nachdem die Abrüstungskonferenz beim Völkerbund 1934 ergebnislos beendet worden war.
Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für alle Völker waren ureigenste Forderungen der demokratischen Westmächte und der USA am Ende des Ersten Weltkrieges. Man hatte sie auch dem demokratischen Deutschland versprochen, aber durch eine bösartige Erpressung und durch einen schlimmen Wortbruch im Versailler Vertrag dem demokratischen Deutschland vorenthalten (siehe das Kapitel „Versailles“). Als Hitler ab 1934 mit der Forderung „Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für das deutsche Volk“ die Bestimmungen des Versailler Vertrages einfach brach, hätten Großbritannien und Frankreich rechtlich dem militärisch schwachen Deutschland den Krieg erklären können. Wenn sie es doch getan hätten! Hitler ging ein hohes Risiko ein. Aber er kalkulierte richtig: Demokratische Regierungen müssen ihren Völkern eine Kriegserklärung gut begründen. Sie konnten nun nicht ihren Völkern erklären, daß man gegen Deutschland Krieg führen müsse, nur um Gerechtigkeit und Gleichberechtigung für das deutsche Volk zu verhindern. Demokratien können halt nun mal nicht gegen ihre eigenen Prinzipien Krieg führen. So waren die Westmächte Gefangene ihrer Gewaltpolitik und ihres Wortbruchs von 1919. Hitler hat diese Blöße der Westmächte klar erkannt und für seine Pläne ausgenützt. So glaubte man bei den Westmächten notgedrungen den Friedensbeteuerungen Hitlers. Es war so bequem, Hitler zu glauben. Was wir wünschen, glauben wir halt gern.
Vor allem Großbritannien war bereit, Deutschland Zugeständnisse zu machen. Frankreich zögerte, durch die militärische Überlegenheit hätte man Deutschland noch leicht besiegen können. Aber man traute sich nicht, schon gar nicht ohne die Hilfe Großbritanniens.
 
Es gibt ein wichtiges Buch mit dem Titel: „Sprich vom Frieden, wenn du den Krieg willst“. Der Untertitel lautet: „Die psychologischen Offensiven Hitlers gegen die Franzosen 1933-1939“. Es wurde geschrieben von Wilhelm von Schramm (Mainz 1972). Der Autor war Zeitgenosse der Ereignisse. Er beschreibt, wie geschickt Hitler die Friedenssehnsucht der Franzosen ausnützte. Von der Machtübernahme aufgeschreckt, lasen die Franzosen in ihren Zeitungen Auszüge aus Hitlers Buch „Mein Kampf“, die auf Krieg hinwiesen. Hitler hat aber ab 1933 die Franzosen eingeschläfert, ihre Kampfbereitschaft systematisch untergraben, um dann  später den Krieg gegen Frankreich zu gewinnen. Nach der „Machtergreifung“ wollten viele französische Journalisten ein Interview mit Hitler haben. Dieser aber zierte sich absichtlich lange, erst im November 1933 gab er einem prominenten französischen Journalisten ein ausführliches Interview. Mit wohlvorbereiteten verlogenen Sprüchen überzeugte Hitler diesen Journalisten vollständig von seiner Friedensliebe. Und dieses Opfer der Hitlerschen Lügen verbreitete in ganz Frankreich das Märchen von Hitlers Friedensliebe. Und viele Franzosen glaubten Hitlers Lügen, weil sie sie glauben wollten. Die Alternative war ja so bitter. Wilhelm von Schramm erzählt auch die Geschichte von Otto Abetz, einem jungen Lehrer vom Karlsruher Fichtegymnasium. Dieser idealistische Lehrer, kein Anhänger Hitlers, hatte ab 1930 auf dem Sohlberg im Schwarzwald Treffen von deutschen und französischen Gymnasialschülern organisiert, ganz privat, ohne jede öffentliche Unterstützung. Diesen Mann fanden die Nazis und benutzten ihn für ihre Zwecke. Ende 1933 wurde Abetz Referent des Reichsjugendführers Baldur von Schirach. So betrieb Abetz von Berlin aus mit amtlicher Hilfe in den nächsten Jahren deutsch-französische Verständigung. Es fanden in großem Stil Schülertreffen statt, Treffen von Schriftstellern und Publizisten, von Offizieren und von Veteranenverbänden (an denen auch Hitler oft teilnahm; er ließ sich dabei theatralisch über die auch von ihm selbst erlebten Schrecken des Krieges aus). Alles unter der Parole: Nie wieder Krieg. Die Jahre 1933 bis 1939 waren ein Höhepunkt deutsch-französischer Verständigung. Nur für Hitler war es eine verlogene Show. Die anderen Beteiligten meinten es ehrlich, sie wurden alle von Hitler betrogen. Als am 3. September 1939 Frankreich widerwillig und von Großbritannien mitgezogen Deutschland den Krieg erklärte, war die französischen Armee praktisch kampfunfähig. Wilhelm von Schramm bringt Auszüge aus den Kriegstagebüchern deutscher Truppenteile, die an der französisch-deutschen Grenze am Rhein und in der Pfalz stationiert waren. Dort finden sich ab Kriegsbeginn im September 1939 folgende Eintragungen „Deutsche Lieder beim Feind.“ – „Starker Beifall zur Führerrede, die durch Lautsprecher übertragen wird. Feind wünscht Führerrede im Abdruck. Zwei Offiziere fahren über den Rhein und überbringen die Armee-Nachrichtenblätter.“ – „Auf der anderen Seite erscheint ein Schild mit der Inschrift: Wenn Ihr nicht schießt, schießen wir auch nicht.“ – „An der Salmbacher Passage bei Scheibenhardt stiftete Gauleiter Bürkel Bier, dem die Franzosen reichlich zusprechen. Kameradschaftliche Gespräche deutscher und französischer Soldaten bei Bier und Zigaretten.“ – „Es tauchen Handzettel der kommunistischen Partei Frankreichs auf mit der  Aufforderung, nicht zu schießen. Für Polen brauche Frankreich nicht zu kämpfen. Der Soldat solle sich nicht für Kriegsgewinnler und Kapitalisten totschießen lassen.“ – „Französische Soldaten singen das Horst-Wessel-Lied und grüßen mit dem deutschen Gruß.“
Als am 10 Mai 1940 Hitler die Wehrmacht im Westen angreifen ließ, ließen sich die Franzosen in wenigen Tagen fast ohne Gegenwehr besiegen. Es wurde die schwerste Niederlage, die Frankreich je in seiner Geschichte erlebt hatte.  
 
 
2. Innenpolitik
 
Die Beseitigung der Arbeitslosigkeit hat das Ansehen Hitlers beim deutschen Volk und vor allem bei den Arbeitern am meisten vergrößert. Bei der „Machtergreifung“ am 30. Januar 1933 gab es über 6 Millionen Arbeitslose, im Juli 1934 noch 2,4 Millionen und im Juli 1935 nur noch 1,7 Millionen Arbeitslose. Dabei spielte die Aufrüstung keine Rolle, sie setzte erst ab 1936 ein. Im Jahre 1938 waren in Deutschland 3,2% der Erwerbstätigen arbeitslos, in Frankreich 7,8%, in England 12,9, in den USA 26,4% (nach: Hans-Jürgen Eitner, Hitlers Deutsche, Gernsbach 1990). Die Arbeitslosigkeit konnte dadurch beseitigt werden, daß persönliche und politische Freiheiten beseitigt waren. Wenn der Staat für die Beseitigung der Arbeitslosigkeit verantwortlich ist, dann muß er auch die entsprechenden Entscheidungen an sich ziehen, vor allem die Festlegung der Löhne und Arbeitsbedingungen.
 
Dies hatten die Nationalsozialisten geschickt vorbereitet. Im April 1933 wurde der !.Mai zum „Tag der nationalen Arbeit“ erklärt und somit zum bezahlten Feiertag. Ausgerechnet der 1. Mai, seit 1890 der internationale Kampftag der Arbeiterklasse, an dem die Arbeiter oft rechtswidrig gestreikt und sich zu Demonstrationen versammelt hatten, gegen die dann die Polizei eingesetzt worden war. Am 1. Mai 1933, einem warmen Frühlingstag, fand abends auf dem Tempelhofer Feld eine Hitler-Kundgebung statt mit angeblich 1,5 Millionen Teilnehmern, die mit riesigen Fahnen und massiertem Scheinwerferlicht („Lichtdom“) eindrucksvoll inszeniert war. Hitler überzeugte hier auch viele Schwankende und viele Gegner. Die Parolen waren „Überwindung von Klassenhaß und Standesdünkel, die Ehrung der Arbeit und des Arbeiters, Schaffensmut und freudige Lebensbejahung“. (Eitner S. 269) Am 2. Mai 1933 besetzten SA-Trupps in den deutschen Städten die Gewerkschaftshäuser. Die Gewerkschaftsführer wehrten sich überhaupt nicht. Sie waren geschwächt, zermürbt und hielten sich selbst für überflüssig. Wenige Tage später wurde die Deutsche Arbeitsfront (DAF) gegründet, die den Interessengegensatz zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern
Beseitigte und in Harmonie umwandelte. Löhne und Arbeitsbedingungen wurden von „Treuhändern der Arbeit“ festgesetzt. Sie sind weisungsgebundene Beamte des Reichsarbeitsministeriums.
Im „Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit“ vom 1. Juni 1933, auch „Reinhardt-Programm“ genannt, geht es nicht um Terror und Unterdrückung, dafür aber viel um staatliche zentralistische Kommandowirtschaft. Das Reich stellte eine Milliarde Reichsmark zur Verfügung, mit dem die Länder und Gemeinden öffentliche Arbeiten durchführen sollten (z.B. Tiefbauarbeiten, Flußregulierungen) und öffentliche Gebäude instandsetzen oder errichten sollten. (Da war es also gut, daß Länder und Gemeinden gleichgeschaltet waren und von der Reichsregierung Befehle entgegennahmen.) Auch der private Wohnungsbau („vorstädtische Kleinsiedlung“, „landwirtschaftliche Siedlung“) wurde gefördert. Die Förderung erfolgte teils durch Darlehen, teils durch Zuschüsse. Die Arbeiten mussten spätestens am 1. August 1933 begonnen werden. Die Unternehmer, die die öffentlichen Arbeiten durchführten, waren nicht frei in ihren Entscheidungen; sie mussten folgende Dinge beachten: Es galt der Grundsatz „Handarbeit vor Maschinenarbeit“, d. h. Maschinen durften nur eingesetzt werden, wenn es unerlässlich war. Es mussten für die Arbeiten bisherige Arbeitslose eingesetzt werden. Sie wurden vom Arbeitsamt geschickt. Mit diesen Arbeitskräften schloß der Unternehmer keinen Arbeitsvertrag. Die Arbeiter bekamen weiterhin ihre Arbeitslosenunterstützung wie bisher und dazu vom Arbeitsamt für vier Wochen einen „Bedarfsdeckungsschein“ im Wert von 25 Reichsmark, Diese „Bedarfsdeckungsscheine berechtigen zum Erwerb von Kleidung, Wäsche, und Hausgerät in Verkaufsstellen, die zur Annahme von Bedarfsdeckungsscheinen berechtigt sind“. (Die Arbeiter konnten also mit dem verdienten „Geld“ nicht machen, was sie wollten.) Der Unternehmer mußte den Arbeitern „eine warme Mahlzeit je Arbeitstag oder ein angemessenes Entgeld in bar“ geben. Auch der Gewinn der Unternehmer war begrenzt.
Es meldeten sich viele Arbeitslose freiwillig für diese Arbeiten. Wer nicht kam, galt als Faulpelz. Logischerweise folgte einige Jahre später die Arbeitspflicht für alle, als man zur Aufrüstung jeden brauchte. Der Staat hat immer Arbeit für jeden, zu seinen Bedingungen natürlich. Der Arbeitsplatzwechsel wurde kontrolliert. Was die Arbeiter an Freiheit verloren, gewannen sie an sozialer Sicherheit. Auch die Abschaffung des Streikrechts wurde von den Arbeitern nicht beachtet.  
 
Die Nationalsozialisten haben nicht die Produktionsmittel enteignet. Deshalb glauben viele, sie seien keine Sozialisten gewesen. Es gibt aber ein erhellendes Zitat von Goebbels aus dem Jahr 1935: „Es wird nie ein Minister versuchen, der Wirtschaft vorzuschreiben, wie sie den Betrieb einzurichten habe. Aber was sie produziert und wie sie es produziert und welche Methoden sie dabei anwendet und welche Löhne sie zahlt und wieviel Freizeit sie gibt und welchen Geist sie im Betriebe hochzüchtet – darüber zu bestimmen, das ist das Vorrecht der politischen Führung eines Landes.“
 
(Unvollständig)
 
 
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