dieberlinerblockade


 

                                     Die Berliner Blockade
 
1. Vorgeschichte: Die scheinbare Eintracht der Siegerkoalition
 
Die wichtigsten Verbündeten der Anti-Deutschland-Koalition im Zweiten Weltkrieg waren die USA, Großbritannien und die Sowjetunion. (Das im Krieg von Deutschland besiegte Frankreich kam erst nach Beendigung des Krieges als 4. Hauptsiegermacht hinzu.) Da die USA immer nur für Freiheit gegen Unfreiheit kämpfen können, hatte man mit Hitler ein sehr geeignetes Feindbild. Daß man gegen Hitler mit der Sowjetunion verbündet war, paßte da wenig ins Bild. Daß die Sowjetunion ganz ähnlich wie der Nationalsozialismus eine freiheitsfeindliche, massenmörderische, totalitäre Diktatur war, hat man in den USA bis in die erste Nachkriegszeit wider besseres Wissen einfach verdrängt, nach dem Motto, „daß nicht sein kann, was nicht sein darf“. Man kann das nachlesen in dem Buch „Die großen Gesänge“ von Gerd Koenen (Frankfurt 1987). Koenen stellt die Lobpreisungen zusammen, mit denen westliche dumme Intellektuelle die kommunistischen Massenmörder Lenin, Stalin, Mao und Castro anhimmelten.
Dort kann man auch folgendes lesen (S. 94 ff.): Im Sommer 1944 machte der amerikanische Vizepräsident Henry Wallace eine Freundschaftsvisite durch Sibirien, begleitet von einem amerikanischen Politikprofessor, einem Spezialisten für den Fernen Osten(!). Beide besichtigten dabei auch ein sowjetisches Arbeitslager, das nahe an die Qualität von Vernichtungslagern heranreichte. Man hatte aber für den Besuch der Amerikaner einen ganzen Lagerkomplex evakuiert, die Wachtürme abgebaut, Blumenrabatten angelegt. Hunderte von Wachleuten mimten gut genährte Häftlinge und gaben den Besuchern zufriedenstellende Antworten. Man besichtigte Milchfarmen, Treibhäuser usw. Die amerikanischen Besucher wurden vollständig getäuscht. Sie sahen nichts von Terror und Unterdrückung. Nach ihrer Rückkehr äußerten sie sich sehr zufrieden über das, was sie gesehen hatten. Wallace sprach sogar vom Humanismus der sowjetischen Arbeitserziehung.
Im November 1944 wurde Roosevelt zum vierten Mal zum Präsidenten der USA gewählt. (Seit 1951 kann man durch Verfassungsänderung nur noch zweimal zum Präsidenten gewählt werden.) Vizepräsident wurde Harry Truman. Daß Roosevelt todkrank war, wurde den amerikanischen Wählern verheimlicht. Bis zu seinem Tod im April 1945 glaubte Roosevelt, daß die sowjetischen und amerikanischen Demokratievorstellungen ähnlich seien.
Im Februar 1945 trafen sich die drei Hauptsieger des Krieges, nämlich Churchill (Großbritannien), Roosevelt (USA) und Stalin (Sowjetunion), in Jalta auf der Krim. Unter anderem wurde hier die „Erklärung über das befreite Europa“ beschlossen. Darin wurden für alle von der deutschen Herrschaft befreiten Völker das Selbstbestimmungsrecht und die Abhaltung freier Wahlen festgelegt. Das sollte also auch für die Völker gelten, die die Sowjetunion befreit hatte, und Roosevelt glaubte, daß sich Stalin daran halten werde. In Jalta wurde Frankreich als vierte Siegermacht aufgenommen und die vorläufige Aufteilung Deutschlands vereinbart.
Nach dem Tod Roosevelts im April 1945 wurde sein Vizepräsident Harry Truman Präsident.
 
2. Die Aufteilung Deutschlands
 
Nach dem Ende des Krieges wurde die letzte deutsche Regierung verhaftet und die Siegermächte übernahmen die vollständige Staatsgewalt über Deutschland. Sie verwirklichten nun die Pläne über die Aufteilung Deutschlands, die sie schon in den letzten Kriegsmonaten beschlossen hatten. Zu diesen Plänen gehörte, daß jede Siegermacht auch einen Teil von Berlin besetzen sollte. Die Sowjetunion, die ganz Berlin erobert hatte, mußte also einen Teil Berlins den Westmächten überlassen. Im Tausch dafür überließen die Briten und Amerikaner das von ihnen besetzte Thüringen und Sachsen-Anhalt der Sowjetunion. In der Konferenz von Potsdam (17. Juli – 2. August 1945) trafen sich noch einmal die Hauptsieger Stalin, Truman und Churchill. Während der Konferenz wurde in Großbritannien das Unterhaus neu gewählt. Die Labour-Party, die bisherige Opposition, gewann die Wahl, der Labour-Führer Attlee wurde neuer Premierminister und ersetzte in Potsdam Churchill. Das Ergebnis der Konferenz war eine gemeinsame Erklärung der Siegermächte, das sogenannte „Potsdamer Protokoll“. Da man mit Deutschland keinen Frieden schließen konnte, weil Deutschland keine Regierung hatte, wurden in Potsdam „vorläufige“ Regelungen über die Aufteilung der Regierungsgewalt in Deutschland beschlossen. Sie sind enthalten im „Potsdamer Protokoll“, einem Abkommen der drei Regierungen, das keinen völkerrechtlich bindenden Vertrag darstellt. (Es ist empfehlenswert, zu den folgenden Darlegungen eine Geschichtskarte zu benutzen.) Bei dieser „vorläufigen“ Aufteilung gingen die Sieger aber von den im Versailler Vertrag von 1919 festgelegten Grenzen Deutschlands aus, d. h., die Gebietszuwächse, die Deutschland mit Zustimmung der Großmächte im Jahre 1938 rechtmäßig erhalten hatte (Österreich und das Sudetenland), wurden einfach ignoriert. Rechtlich war das nicht korrekt. Beschlossen wurde: Das deutsche Gebiet östlich von Oder und Neiße kam „vorläufig bis zum Abschluß eines Friedensvertrages unter polnische Verwaltung“ (im Widerspruch zu dieser Willenserklärung haben die Polen noch schnell die links der Oder liegende Stadt Stettin erobert), das nördliche Ostpreußen mit der Stadt Königsberg übernahm die Sowjetunion. Im deutschen Gebiet westlich von Oder und Neiße übernahmen die vier Hauptsiegermächte die Staatsgewalt in Form einer Militärregierung. Es wurde eine französische, britische, amerikanische und sowjetische Besatzungszone eingerichtet. In jeder Zone wurde die Regierung geführt von einem General der Besatzungsmacht, der den Deutschen Befehle erteilte. Die Hauptstadt Berlin, die ganz von der sowjetischen Besatzungszone umgeben war, wurde gewissermaßen eine fünfte Besatzungszone. Berlin wurde von der „Alliierten Kommandantur“ regiert; sie bestand aus vier Generälen der Besatzungsmächte, jede Besatzungsmacht erhielt in Berlin einen Sektor. So wurde Berlin zur Viersektorenstadt mit Viermächtestatus. Die ganz Deutschland betreffenden Probleme sollten im „Alliierten Kontrollrat“ geregelt werden; er bestand aus den vier Generälen der vier Besatzungszonen, sein Sitz war in Berlin. Diese Generäle bildeten die Militärregierung für alle vier Zonen und Berlin. Die Generäle selbst unterstanden natürlich den Befehlen ihrer heimischen Regierungen. Im Jahre 1947 gliederte Frankreich das Saargebiet aus seiner Zone aus und gab ihm einen besonderen „autonomen“ Status. Damit war Deutschland in den Grenzen des Versailler Vertrages vorläufig in elf besondere Teile geteilt.
Die Siegermächte haben also nach dem Krieg keine endgültigen Grenzen gezogen. Das konnten sie auch rechtlich nicht. Die vereinbarten Demarkationslinien waren nur „vorläufig“. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, als den Deutschen nicht einmal das Recht eingeräumt wurde, angehört zu werden, haben die Sieger den Deutschen immerhin das Recht gelassen, irgendwann wieder einen eigenen Staat mit einer eigenen Regierung zu haben. Mit dieser Regierung sollte dann ein Friedensvertrag abgeschlossen werden. Die Sieger glaubten, bis dahin alle Deutschland betreffenden Fragen auch weiterhin in Einstimmigkeit regeln zu können. Unzulässig war natürlich, daß diese von allen vier Siegern gemeinsam getroffenen Vereinbarungen einseitig von einer Macht geändert wurden. Solche einseitigen Veränderungen brauchten die anderen nicht zu akzeptieren.
 
3. Vorausblick: Was aus diesen Demarkationslinien wurde
 
 Ab 1946 bahnte sich der Konflikt zwischen den drei Westmächten und der Sowjetunion an. Dadurch erhielten einige der 1945 gezogenen „vorläufigen“ Linien eine schwerwiegende Bedeutung, ohne völkerrechtlich endgültig zu werden. Aus den drei westlichen Besatzungszonen wurde 1949 die Bundesrepublik Deutschland, der sich 1957 nach zwei Abstimmungen das Saarland anschloß. Die sowjetische Besatzungszone wurde 1949 zur „Deutschen Demokratischen Republik“ („DDR“) mit einer von der Sowjetunion durchgesetzten kommunistischen Diktatur. Jeder der beiden deutschen Teilstaaten sprach dem anderen die Legitimation ab und strebte die Einheit Deutschlands an. Da aber viele Deutsche aus der „DDR“ in die Bundesrepublik flohen, errichtete die „DDR“ schon in den fünfziger Jahren an der Linie zwischen den deutschen Teilstaaten „Grenzbefestigungen“ zur Verhinderung der Flucht. So entstand hier bis 1989 eine schwer bewachte „Grenze“ mit umfangreichen Sicherungsmaßnahmen. Für die Deutschen der „DDR“ blieb aber bis 1961 trotzdem eine Fluchtmöglichkeit: Sie konnten in den sowjetischen Sektor Berlins reisen und von dort sich in einen Sektor der drei Westmächte, also nach „West-Berlin“ begeben. Von dort aus konnten sie ungehindert mit dem Flugzeug in die Bundesrepublik weiterreisen. Dieses Schlupfloch benutzten Hunderttausende. Am 13. August 1961 errichtete die „DDR“ mit Zustimmung der Sowjetunion eine Sperrmauer zwischen dem östlichen sowjetischen Sektor und den drei westlichen Sektoren. Auch die Linien zwischen den drei Westsektoren und der „DDR“ wurden mit einer Befestigungsmauer versehen. So wurde „Westberlin“ eine eingemauerte „Insel“ der Freiheit im umgebenden „Meer“ der kommunistischen Diktatur. Alle ehemaligen Demarkationslinien, die zwischen den nun kommunistisch regierten deutschen Teilen („DDR“ und „Ostberlin“), und den demokratisch regierten deutschen Teilen (Bundesrepublik Deutschland und „Westberlin“), waren nun zu scharf bewachten „Grenzen“ zwischen zwei Welten geworden. Die Westmächte protestierten gegen den Bau der Berliner Mauer. Sie sahen darin einen Bruch des Viermächtestatus Berlins, den die Sieger nach dem Krieg gemeinsam festgelegt hatten. Ebenso protestierten sie dagegen, daß die Sowjetunion der „DDR“ erlaubte, den sowjetischen Sektor Berlins zur Hauptstadt der „DDR“ zu machen und „DDR“-Truppen in dieser „Hauptstadt“ zu stationieren. Die Sowjetunion erklärte einseitig die „Alliierte Kommandantur“, die gemeinsame Militärregierung der vier Mächte für ganz Berlin, für beendet. Die drei Westmächte behielten die „Alliierte Kommandantur“ bei, obwohl die Sowjetunion nicht mehr daran teilnahm.
Um eine Massenflucht aus dem „kommunistischen Arbeiter- und Bauernparadies“ in den freien Westen zu verhindern, mußten auch die kommunistischen, mit der „DDR“ und der Sowjetunion verbündeten Staaten, die eine Grenze zum freien Westen hatten, nämlich die Tschechoslowakei und Ungarn, Grenzbefestigungen an ihrer Westgrenze errichten. So entstand der „Eiserne Vorhang“, der von der Ostsee bis zur Adria Europa teilte. Die Wachposten hatten Befehl, auf verdächtige „Grenzverletzer“ sofort zu schießen. Am schlimmsten und am bittersten war das in Berlin, wo eine Weltstadt unter der widernatürlichen Spaltung litt. Der gesamte innerstädtische Verkehr wurde durch die Mauer plötzlich für lange Zeit unterbrochen. Erst später wurden streng rationierte und kontrollierte Besuche in Ostberlin erlaubt. Kein Deutscher aus der „DDR“ oder Ostberlin durfte nach Westberlin oder in die Bundesrepublik. Später gab es nur wenige Besuchsmöglichkeiten, vor allem für Rentner. Die im Kommunismus lebenden Deutschen konnten aber durch das westdeutsche Fernsehen jederzeit ihre Armut mit dem Wohlstand im Westen vergleichen. So wurde die Sehnsucht der „DDR“-Deutschen, nach Westdeutschland zu gelangen, immer größer. Als die DDR am 9. November 1989 die Berliner Mauer nicht mehr halten konnte, glichen die Folgen einem Dammbruch. Die Ostberliner überschwemmten Westberlin. Dieses weltweite Fernsehspektakel hatte schwerwiegende Folgen. Sofort mußten die Kommunisten auch die innerdeutsche Grenze öffnen. Die Folge war, daß die kommunistische Diktatur in der DDR durch eine friedliche Revolution beseitigt wurde. Dies bedeutete auch das Ende für die kommunistischen Diktaturen in Osteuropa, sogar in der Sowjetunion. Im Jahre 1991 brach das nach 1917 zusammengeraffte Völkergefängnis Sowjetunion auseinander. Die Macht der Sowjetunion reichte nach dem Zweiten Weltkrieg von Wladiwostok am Pazifischen Ozean bis zur Elbe in Mitteleuropa. Und nach dem Fall der Berliner Mauer merkte man, daß der westliche Stützpfeiler dieses riesigen kommunistischen Machtbereichs allein die perverse Mauer in Berlin gewesen war. Der Fall der Berliner Mauer leitete das Ende des Kommunismus und der Sowjetunion ein.
Eine weitere 1945 gezogene Demarkationslinie, die „Oder-Neiße-Linie“, ist heute sogar die völkerrechtliche Grenze zwischen Deutschland und Polen. Die Polen vertrieben rechtswidrig alle Deutschen östlich von Oder und Neiße und aus Stettin (westlich der Odermündung). Damit schufen sie irreversible Fakten. Das wiedervereinigte Deutschland anerkannte nach der Wiedervereinigung diese Grenze zwischen Deutschland und Polen an. So war aus dem Unrecht der Vertreibung letzten Endes doch Recht geworden.
 
4. Der Zerfall der Siegerkoalition nach 1945
 
Die Sowjetunion ging in den Ländern, die sie von der deutschen Besatzung befreit hatte, immer nach einem ähnlichen Rezept vor. Außer der kommunistischen sowjethörigen Partei wurden auch andere Parteien zugelassen. Die neuen Regierungen, an denen die Kommunisten beteiligt waren, durften keine gegen die Sowjetunion gerichtete Politik machen. Dies rief antisowjetische Kräfte auf den Plan, oft antisowjetische Untergrundarmeen. Der Druck der Kommunisten auf die Opposition verstärkte sich, es wurden brutale Methoden angewandt. Prominente antikommunistische Politiker verschwanden einfach. Teile der Opposition gaben den Widerstand auf und schlossen sich mit den Kommunisten zu einer „Einheitsfront“ zusammen. Bei „Wahlen“ wurden nichtkommunistische Parteien benachteiligt, oft wurden falsche Wahlergebnisse bekanntgegeben. (Besonders peinlich war, daß auf diese Weise Polen kommunistisch wurde. Schließlich hatten die Westmächte 1939 wegen der Freiheit Polens Deutschland den Krieg erklärt.)
Ähnlich war es in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands. In den ersten Wochen nach Kriegsende verhaftete die sowjetische Armee etwa 100 000 Personen, von denen anzunehmen war, daß sie antikommunistisch eingestellt waren. Sie verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Viele von ihnen waren auch Gegner des Nationalsozialismus gewesen. Die sowjetische Armee benutzte die Nazi-Konzentrationslager einfach weiter. Es gab Hitler-Gegner, die am Kriegsende aus dem KZ befreit wurden und einige Wochen später als Gegner des Kommunismus wieder im selben KZ landeten.
Im April 1945, also noch vor Ende des Krieges, landeten in der Nähe von Berlin einige deutsche Kommunisten, die vor Hitler in die Sowjetunion geflüchtet waren. Der bekannteste war Walter Ulbricht. (Zu dieser Gruppe gehörten auch Michael Wolf und Walter Leonhard. Walter Leonhard, der 1948 vom Kommunismus abfiel und in den Westen ging, berichtete darüber in seinem Buch „Die Revolution entläßt ihre Kinder“.) Diese „Gruppe Ulbricht“ hatte von Stalin den Auftrag, wenn möglich ganz Deutschland, mindestens aber den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands kommunistisch zu machen. Es war klar, daß dies gegen die Westmächte gerichtet war. Und es war auch klar, daß Deutschland nur als kommunistisches Deutschland geeint werden konnte, andernfalls würde Deutschland geteilt werden.
Die deutschen Kommunisten hatten in der Bevölkerung nur wenig Anhang. Trotzdem erweiterten sie ständig ihren Einfluß in der sowjetischen Zone mit Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht, sowie durch Lügen und Täuschungen. Man erlaubte die Gründung anderer Parteien (SPD, CDU, LDPD), die sich mit der KPD zum „antifaschistischen Block“ zusammenschließen mußten. (Die Kommunisten benutzten nie das Wort „Nationalsozialismus“ wegen der peinlichen Namensgleichheit mit dem marxistischen Sozialismus; statt dessen nahmen sie das Wort „Faschismus“. Faschismus und Nationalsozialismus sind aber keineswegs dasselbe.) (Später wurden alle Parteien in der DDR zur „Nationalen Front“ zusammengeschlossen und verloren jede Eigenständigkeit.) Man schuf (wie in Westdeutschland) scheinbar eigenständige Länder (die später in der DDR wieder abgeschafft wurden) und kündigte (wie in den westlichen Zonen) Wahlen an. Um für diese Wahlen ihren Anhang in der Bevölkerung zu vergrößern, betrieb die KPD den Zusammenschluß mit der SPD. Man nannte das „Einigung der Arbeiterklasse“. Im April 1946 vereinigten sich die beiden Parteien zur „Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ (SED). Dabei mußte die sowjetische Besatzungsmacht massiv nachhelfen. (Kurt Schumacher, der Führer der SPD im Westen, verhinderte, daß diese Vereinigung auch im Westen stattfand.) Um die Voraussetzungen für eine heimlich von Anfang an geplante kommunistische Diktatur zu verbessern, enteignete man alle Grundbesitzer, die mehr als 100 Hektar besaßen, vollständig, auch die Fabrikbesitzer wurden enteignet, alle ohne Entschädigung. Oft wurden Leute enteignet, die schon von den Nationalsozialisten enteignet worden waren. Die enteigneten Fabriken wurden häufig demontiert und in die Sowjetunion geschafft oder gingen in öffentlichen Besitz über. Der enteignete Grundbesitz wurde an bisher besitzlose Landarbeiter scheinbar als „Eigentum“ übergeben. (Das war aber nur ein Köder, um Anhang bei den Leuten zu gewinnen. Privater Grundbesitz paßt nun mal nicht zum Kommunismus, und so mußten diese „freien“ Bauern nach 1950 das 1946 geschenkte Grundstück wieder hergeben und den „Landwirtschaftlichen Produktionsgesellschaften“, [LPG], übergeben.)                            
Eine wichtige Rolle bei der Entfremdung der USA und der Sowjetunion spielte der amerikanische Diplomat George F. Kennan. Er war an der amerikanischen Botschaft in Moskau tätig. Am 22. Februar 1946 sandte er aus Moskau der amerikanischen Regierung sein „long telegram“, das bei der Regierung, im Kongreß und in der Öffentlichkeit große Beachtung fand. Kennan machte deutlich, daß der Kommunismus eine bösartige Diktatur sei und in der Sowjetunion eine Art Staatsreligion sei. Die Sowjetunion fühle sich zutiefst unsicher und strebe deshalb danach, den Kommunismus auszudehnen. Sie habe trotz der Beendigung des Krieges weiterhin 10 Millionen Soldaten unter Waffen. Überall wo die sowjetische Armee stehe, setze die Sowjetunion den Kommunismus durch. Moskau versuche auch noch weitere Gebiete Westeuropas kommunistisch zu machen durch Ausnützung der materiellen Not der Massen und mit Hilfe der westeuropäischen kommunistischen Parteien. Es sei Aufgabe der USA, den Kommunismus „einzudämmen“. Kennan wurde zum Begründer der „Containment“-Politik. (Nach F.A.Z. vom 7.6.97)
Am 5. März 1946 hielt Churchill in Fulton (Missouri) eine Rede; die vorher mit Präsident Truman abgesprochen war. In dieser Rede sprach Churchill erstmals öffentlich von einem Eisernen Vorhang („iron curtain“), der „von Stettin an der Ostsee bis nach Triest an der Adria“ den europäischen Kontinent teile. Gegen die „grenzenlose Ausdehnung der sowjetischen Macht“ sei „die Einheit der westlichen Demokratien“ notwendig. (Nach F.A.Z. vom 17.2.96)
Für Großbritannien wurde die Ernährung der deutschen Bevölkerung der britischen Zone eine schwere Last. Schließlich gab es auch in Großbritannien noch Lebensmittelrationierungen. In der Potsdamer Konferenz waren Lebensmittellieferungen aus den östlichen in die westlichen Gebiete Deutschlands vereinbart worden. Diese Lieferungen blieben jedoch aus. (Die Westmächte lieferten aber auch nicht mehr die vereinbarten Industrieprodukte aus dem Westen in den Osten.) Im Jahr 1946 gab es einen Kurswechsel in der britischen Deutschlandpolitik. Großbritannien hielt die gemeinsame Verwaltung ganz Deutschlands durch die vier Sieger für gescheitert. Als nach dem Scheitern der Pariser Außenministerkonferenz im Sommer 1946 die USA vorschlugen, die westlichen Zonen zusammenzulegen, ging Großbritannien sofort darauf ein. So wurde ab dem 1. Januar 1947 die amerikanische und die britische Zone zur „Bizone“ zusammengelegt. Man wußte, daß das auf die Spaltung Deutschlands hinauslief. Es wurde ein „Wirtschaftsrat für das Vereinigte Wirtschaftsgebiet“ geschaffen, in dem Deutsche unter Aufsicht der Generäle entschieden. Er bestand aus 52 Abgeordneten der Landtage der Bizone und fünf Direktoren (für Wirtschaft, für Ernährung und Landwirtschaft, für Finanzen, für Verkehr und für Post und Fernmeldewesen).   (Nach F.A.Z. vom 16.6.90 und Informationen zur Politischen Bildung, Nr. 157, 1974)
 
5. Die Truman-Doktrin
 
Nachdem die Sowjetunion diejenigen Staaten, die sie von deutschen Truppen befreit hatte, kommunistisch gemacht und in ihre Abhängigkeit gebracht hatte, versucht sie auch noch weitere Staaten, die an ihren Machtbereich grenzten, nämlich Griechenland und die Türkei, von sich abhängig zu machen. In Griechenland begannen kommunistische Partisanen einen Bürgerkrieg; von der Türkei forderte die Sowjetunion eine Beteiligung an der Kontrolle der Meerengen zwischen dem Schwarzen Meer und dem Mittelmeer. Würden beide Staaten kommunistisch werden, waren schwerwiegende Folgen für das östliche Mittelmeer und den Vorderen Orient zu erwarten. Großbritannien war nicht in der Lage, diese kommunistische Expansion zu stoppen.
Da stellten sich die USA der Sowjetunion entgegen. In einer Kongreßbotschaft vom 12. März 1947 kritisierte Präsident Truman, daß die Sowjetunion in den von ihr befreiten Staaten „totalitäre Regimes“ durchgesetzt hatte und damit das Jalta-Abkommen gebrochen hatte. Truman erklärte, daß die USA jedem Staat, wenn er es wollte, gegen die kommunistische Bedrohung finanziell und wirtschaftlich helfen würden. Mit diesem außenpolitischen Grundsatz, der sogenannten „Truman-Doktrin“, wurden die USA zum Weltpolizisten gegen den Kommunismus. Nach dem Ersten Weltkrieg hatten sich die USA aus Europa zurückgezogen (Isolationismus) und damit den Aufstieg Deutschlands unter Hitler ermöglicht. Jetzt waren die USA bereit, weltweit gegen den Kommunismus sich einzusetzen (Interventionismus). Die antikommunistische Politik Trumans fand große Zustimmung in der amerikanischen Öffentlichkeit. Der Antikommunismus gehörte seitdem zum nationalen Grundkonsens der USA. Man sah in der Öffentlichkeit, im Kongreß und in der Regierung alle Probleme der Weltpolitik unter dem Blickwinkel des amerikanisch-sowjetischen Gegensatzes. Wie in einem Brennspiegel konzentrierte sich dieser Gegensatz auf Deutschland und auf Berlin, wo man mit der Sowjetunion gemeinsame Vereinbarungen getroffen hatte, die Zusammenarbeit voraussetzten, eine Zusammenarbeit, die es jetzt nicht mehr gab.
In Konsequenz dieser Truman-Doktrin erfolgte am 4. April 1949 die Gründung der NATO. Damit wurden die USA zur Schutzmacht Westeuropas gegen die Sowjetunion.         
 
6. Der Marshall-Plan
 
Der Marshall-Plan ist nach dem damaligen amerikanischen Außenminister George Marshall benannt. Die offizielle Bezeichnung lautet „European Recovery Program“ (ERP), auf deutsch „Europäisches Wiederaufbauprogramm“. Von 1947 bis 1952 stellten die USA 14 Milliarden Dollar, teils als Kredite, teils als Subventionen, zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas zur Verfügung. Die kommunistischen Staaten Ostmitteleuropas lehnten das Geld als „Instrument des Dollarimperialismus“ ab. Die USA wollten mit dem Geld helfen, die wirtschaftliche Not in Westeuropa zu überwinden, und damit der kommunistischen Agitation die Grundlage entziehen. So wurde der Marshall-Plan im Ergebnis Teil der Containment-Politik.
Frankreich akzeptierte nur widerwillig die Einbeziehung Westdeutschlands in den Marshall-Plan. Sie wurde von den USA durchgesetzt, die in der wirtschaftlichen Gesundung Westdeutschlands eine Voraussetzung für die wirtschaftliche Gesundung Westeuropas sahen.
Die amerikanische Hilfe setzte Eigenanstrengungen der Empfängerländer voraus. Diese mußten über die Verteilung der Mittel selbst entscheiden. Deshalb wurde im April 1948 die OEEC (Organisation für europäische wirtschaftliche Zusammenarbeit) gegründet. Für Westdeutschland unterschrieben die drei Generäle, später war die Bundesrepublik Deutschland Mitglied.
In der Bundesrepublik wurden die ERP-Gelder als zu verzinsende Kredite an Unternehmen weitergegeben. Für Auszahlung und Rückzahlung wurde die „Kreditanstalt für Wiederaufbau“ gegründet, eine Bank, die es heute noch gibt. Ein großer Teil des Geldes wurde an die USA zurückgezahlt.
 
7. Die politischen Zustände in Berlin von 1946 bis 1948
 
(Nach Informationen zur Politischen Bildung, Nr. 181, 1979, und Wikipedia)
Schon bald nach Kriegsende erlaubten die Siegermächte in ihren Zonen die Gründung von Parteien, die allerdings eine Genehmigung der Siegermacht brauchten. Innerhalb der Zonen wurden Länder geschaffen, so daß die Zonengrenzen bis heute Ländergrenzen sind (einzige Ausnahme Baden-Württemberg). So wurde auch Berlin ein eigenes Land (bis heute). Der deutsche Teilstaat Preußen wurde von den Siegermächten abgeschafft, endgültig durch Gesetz des Alliierten Kontrollrats vom 25. Februar 1947, mit der albernen und falschen Begründung, Preußen sei „ein Träger des Militarismus in Deutschland“ und damit für den Ersten und Zweiten Weltkrieg verantwortlich (nach Wikipedia). Hitler hatte aber mit Preußen gar nichts zu tun.
In diesen Ländern ernannte die jeweilige Besatzungsmacht Ministerpräsidenten und Minister. Im Oktober 1946 wurden in den Ländern Landesparlamente (in der französischen Zone erst im Frühjahr 1947) gewählt, wodurch die Landesregierungen eine demokratische Basis erhalten sollten. Weiterhin standen diese Landesregierungen unter strenger Aufsicht der Besatzungsmacht. In den Ländern der sowjetischen Zone wurde überall die neugegründete SED die relativ stärkste Partei, stellte die Ministerpräsidenten und arbeitete mit Hilfe der sowjetischen Besatzungsmacht auf die kommunistische Diktatur hin.
Kompliziert wurde die Sache in Berlin, weil hier die neuen deutschen Verwaltungsstellen und Institutionen nicht nur von einer, sondern in der „Alliierten Kommandantur“ von allen vier Siegermächten genehmigt und kontrolliert wurden. Am 20. Oktober wurde in ganz Berlin eine „Stadtverordnetenversammlung“ gewählt. Folgende Parteien stellten Kandidaten zur Wahl: CDU, LDPD (Liberal-demokratische Partei), SED und (das konnte der sowjetische General des sowjetischen Sektors nicht verhindern) auch die SPD. Die KPD kandidierte selbstverständlich nicht. Hier kandidierte die SED also zum einzigen und letzten Mal in freien Wahlen gegen die SPD! Das Ergebnis war für die SED katastrophal: Die SPD erhielt 48,7 %, die CDU 22,2 %, die SED 19,8 %, die LDPD 9,3 % (nach Informationen zur
Politischen Bildung, Nr. 181, 1979, S. 12). Diese Stadtverordnetenversammlung wählte nun einen Oberbürgermeister für Berlin, der aber bald zurücktrat. Darauf wählte die Stadtverordnetenversammlung Ernst Reuter von der SPD zum Oberbürgermeister. Im Juni 1947 verhinderte jedoch der sowjetische General der Alliierten Kommandantur von Berlin durch sein Veto, daß Ernst Reuter sein Amt antreten konnte. In dieser Personalfrage zeigte sich ganz eindeutig, daß es mit der Eintracht der Siegermächte in Sachen Deutschland und Berlin ein Ende hatte. Die Sowjetunion lehnte Ernst Reuter ab, weil er antikommunistisch war. (Im Ersten Weltkrieg war Ernst Reuter als deutscher Soldat in russische Kriegsgefangenschaft geraten und war während der russischen Revolution Bolschewist geworden; er hatte sogar Lenin kennengelernt. Nach der Rückkehr aus Rußland wandte er sich vom Kommunismus ab und wurde wieder prominentes SPD-Mitglied.) Trotz des sowjetischen Vetos blieb Ernst Reuter „gewählter“ Oberbürgermeister Berlins, aber er amtierte nicht. An seiner Stelle „amtierte“ Louise Schröder (SPD) als Oberbürgermeisterin. Seit August 1948 konnte Louise Schröder wegen Krankheit ihr Amt nicht mehr ausüben, So übernahm für sie ihr Stellvertreter Ferdinand Friedensburg (CDU) die Amtsgeschäfte. Der Sitz der Stadtverordnetenversammlung und des Oberbürgermeisters war im sowjetischen Sektor. Schon am 23. Juni 1948, also kurz nach dem Beginn der Blockade Berlins, drangen kommunistische „Demonstranten“ in den Sitzungssaal der Stadtverordnetenversammlung ein und behinderten massiv die Sitzung. Da der sowjetische General seit dem 16. Juni 1948 die Alliierte Kommandantur verlassen hatte, konnten diese Dinge dort nicht mehr erörtert werden. Auch die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung vom 26. August und vom 6. September konnten nicht ordnungsgemäß abgehalten werden. Am 30. November proklamierte die SED im sowjetischen Sektor eine „Außerordentliche Stadtverordnetenversammlung“ und einen „provisorischen demokratischen Magistrat“ und setzte einen SED-Oberbürgermeister ein. Vom sowjetischen General wurde nur dieser Magistrat als rechtmäßig anerkannt. Als Ferdinand Friedensburg, der amtierende Oberbürgermeister ganz Berlins, am 1. Dezember seine Amtsräume im sowjetischen Sektor betreten wollte, wurde er von der Volkspolizei daran gehindert. Darauf verlegten er und die gewählte Stadtverordnetenversammlung ihren Sitz in den Westen Berlins. 
Am 5. Dezember fand die auf Grund der neuen Verfassung Berlins vorgesehene Neuwahl der Stadtverordnetenversammlung statt. Die SED nahm daran nicht teil und rief zum Boykott auf. Diese Wahl wurde im sowjetischen Sektor verboten. Bei dieser Wahl erhielt die SPD 64,5 %. Am 7. Dezember 1948 wählte die neu gewählte Stadtverordnetenversammlung Ernst Reuter zum Oberbürgermeister Berlins. Er konnte aber nur in den westlichen Sektoren amtieren.
Das bedeutete praktisch die Spaltung Berlins in zwei Teilstädte mit Dreimächte- bzw. Einmacht-Obergewalt. Juristisch hielten aber die drei Westmächte am Viermächte-Status Berlins fest. Sie argumentierten, daß das, was die vier Mächte gemeinsam vereinbart hätten, nicht eine allein einseitig verändern könne. Die Sowjetunion blieb also immer aufgefordert, in die Alliierte Kommandantur zurückzukehren. In den nächsten Jahrzehnten protestierten die Westmächte immer bei der Sowjetunion, wenn diese im sowjetischen Sektor einseitig Veränderungen erlaubte, etwa: (Ost-)Berlin Hauptstadt der DDR und damit Teil der DDR; Stationierung von Truppen der Nationalen Volksarmee der DDR im sowjetischen Sektor; Bau der Mauer 1961 usw. Logischerweise konnte 1949 West-Berlin nicht Teil der neu gegründeten Bundesrepublik Deutschland werden und später die Bundeswehr nicht in West-Berlin stationiert werden. Die Alliierte Kommandantur endete erst 1990 mit dem „Zwei-plus-Vier-Vertrag“ und der Einheit Deutschlands.
 
 
8. Der Beginn der Blockade Berlins
 
(Nach: Informationen zur Politischen Bildung, Nr. 181, 1979; Nr.232, 1991; Nr. 240, 1996; Nr. 259, 1998 und F.A.Z. vom 29. Mai 1998 und vom 27. Juni 1998)
Im Jahre 1947 scheiterten mehrere Außenministerkonferenzen der Siegermächte. Da die Hoffnung der Sowjetunion, ganz Deutschland durch Verelendung kommunistisch zu machen, von den USA durchkreuzt war, war die gemeinsame Militärregierung der vier Sieger im Kern erledigt. Ende 1947 waren die USA entschlossen, einen westdeutschen Teilstaat zu gründen. Sie gaben das Einvernehmen der vier Siegermächte auf und berieten diese Dinge mit Großbritannien, Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg.
Von Februar bis Juni 1948 tagte (mit Unterbrechungen) in London die Außenministerkonferenz dieser sechs Mächte. Beschlossen wurde hier der Anschluß der französischen Zone an die Bizone, die Währungsreform und die Gründung eines westdeutschen Teilstaates. Als am 20. März die Sowjetunion den Alliierten Kontrollrat verließ, dokumentierte dieser Schritt nur noch den Bruch, der längst bestand. Die Treffen der drei Generäle der Westmächte fanden von nun an in Frankfurt statt. Der Wirtschaftsrat (Sitz in Frankfurt) wurde auf 104 Abgeordnete erweitert. Die SPD blieb hier gegen CDU/CSU und FDP in der Opposition.
Um die Wirtschaft in den Westzonen zu fördern, beschlossen die drei Westmächte eine Währungsreform in Westdeutschland. Am 20. Juni 1948 wurde die D-Mark eingeführt. (Diese Währungsreform ergänzte Ludwig Erhard, der Direktor für Wirtschaft im Vereinigten Wirtschaftsgebiet, durch das „Leitsätzegesetz“. Mit diesem Gesetz wurde die Marktwirtschaft mit freien Preisen eingeführt, die meisten Rationierungen, Zuteilungen und Preisfestsetzungen wurden abgeschafft. Damit wurde das „Wirtschaftswunder“ möglich. Bei diesem Gesetz wurde Erhard nur von der FDP unterstützt, in der CDU/CSU mußte er es mühsam durchsetzen, so daß er im Frankfurter Wirtschaftsrat der 104 Abgeordneten eine Mehrheit dafür bekam. Die SPD, die KPD und die westdeutschen Gewerkschaften waren dagegen. Der amerikanische General Lucius Clay zitierte Erhard zu sich und machte ihm wegen seiner Eigenmächtigkeit Vorhaltungen. Die Generäle ließen dann aber das Gesetz zu.
Der sowjetische General ordnete am 23. Juni die Einführung einer DM-Ost für die sowjetische Zone und Gesamt-Berlin an. Die Westalliierten erließen aber am gleichen Tag einen Gegenbefehl und führten in ihren Sektoren die DM(West) ein. Darauf reagierte die Sowjetunion mit der Blockade Berlins. Noch in der Nacht zum 24. Juni 1948 wurden die Stromlieferungen nach Westberlin abgeschaltet. Wegen angeblicher technischer Schwierigkeiten wurde der gesamte Personen- und Güterverkehr auf den Straßen, den Eisenbahnen und Wasserwegen zwischen Westdeutschland und Berlin unterbunden.
Diese Blockade kam für die Westmächte überraschend, obwohl sie vorhersehbar war. Schon seit März 1948 hatte die Sowjetunion wiederholt Militärtransporte von Westdeutschland nach Berlin und umgekehrt unberechtigt warten lassen und kontrolliert. Der amerikanische General Lucius Clay hatte die Gefahr begriffen und schon im April seiner Regierung telegraphiert: „Wenn Berlin fällt, folgt Westdeutschland als nächstes. Wenn wir beabsichtigen, Europa gegen den Kommunismus zu halten, dürfen wir uns nicht von der Stelle rühren.“ Er hatte gefragt, ob er Gewalt anwenden dürfe, wenn diese Behinderungen schlimmer würden. Die amerikanische Regierung hatte ihm aber überhaupt keine Antwort gegeben, sondern hatte sich diese Dinge einfach gefallen lassen.
Die Amerikaner hatten nicht begriffen, daß sie getestet worden waren. So hatten sie die Sowjetunion dazu verleitet, anzunehmen, die USA würden auch eine Blockade Berlins hinnehmen.
Der sowjetische Diktator Stalin glaubte, Berlin sei eine günstige Gelegenheit, seinen Hauptgegner, die USA, herauszufordern. Stalin nahm 2,2 Millionen West-Berliner als Geiseln und bedrohte sie brutal mit dem Hungertode. Als „Lösegeld“ erwartete Stalin, daß die USA zusammen mit ihren Verbündeten zunächst Berlin und danach vielleicht auch Deutschland verließen und ihre Deutschlandpolitik aufgaben. (Großbritannien und Frankreich spielten in diesen Überlegungen nur eine untergeordnete Rolle.) Dabei glaubte Stalin, alle Trümpfe in der Hand zu haben. Berlin war der schwache Punkt der Westmächte, hier saßen sie wie in einer Falle. Berlin war leicht zu belagern und diese Belagerung war eigentlich nur durch einen Militäreinsatz, also durch Krieg, zu durchbrechen. Auf einen Krieg waren die Amerikaner aber nicht vorbereitet.  
Wenn die USA dieser Erpressung nachgaben, mußte das beträchtliche Auswirkungen auf ihre Macht und ihr Ansehen in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt haben. So stand Berlin jetzt zum ersten Mal im Brennpunkt der Weltpolitik. Die Truman-Doktrin war dann kaum noch zu halten.
Lucius D. Clay, der General der amerikanischen Besatzungszone, sah das klar, ebenso Großbritannien und Frankreich. Aber diese beiden Mächte hatten keine Machtmittel gegen die Sowjetunion. Die Sowjetunion hatte nach dem Ende des Krieges ihre Truppen vollständig unter Waffen stehen lassen, während die Westmächte abgerüstet hatten. Clay schlug seiner Regierung vor, einen Lastwagen-Konvoi mit bewaffnetem Geleit auf den Weg nach Berlin zu schicken und im Falle von Widerstand Gewalt anzuwenden. Dieser Vorschlag stieß bei der politischen und militärischen Führung der USA auf heftigen Widerstand. Die USA waren auf einen Krieg nicht vorbereitet. Im Herbst 1948 stand die Wahl des Präsidenten bevor, die Wähler würden einen Krieg wegen Berlins, der Hauptstadt der bisherigen Feinde, kaum verstehen. (Truman hat die Wahl dann sehr knapp gewonnen.) Truman war zum Widerstand gegen die Sowjetunion geneigt, er wußte aber nicht, wie. Bei all diesen amerikanischen Überlegungen spielte die Tatsache, daß die Amerikaner durch die Atombombe die stärkste Militärmacht waren, überhaupt keine Rolle. Die günstige Gelegenheit, den neuen Rivalen Sowjetunion bei dieser günstigen Gelegenheit militärisch zu besiegen und auszuschalten, bevor er ebenfalls die Atombombe hatte, wurde nicht ergriffen. 
 
9. Der Anfang der Luftbrücke
 
Die Lebensmittelvorräte in Westberlin reichten für 36 Tage und Kohle für 45 Tage. General Clay war davon überzeugt, daß Westberlin nicht aus der Luft zu versorgen war. Trotzdem gab er auf eigene Verantwortung seinem Luftwaffenbefehlshaber in Europa noch am 24. Juni den Befehl, Lebensmittel nach Berlin zu fliegen. Am nächsten Tag erhielt Clay die nachträgliche Genehmigung seiner Regierung und den Auftrag, die Luftverbindung auszubauen. Der Anfang der Luftbrücke war also der mühselige Versuch, die Vorräte in Berlin zu strecken. Im übrigen hoffte man auf ein Wunder. Der Versuch, die Blockade durch die Luft zu umgehen, hatte den großen politischen Vorteil, daß die Sowjetunion, wenn sie diese Lücke der Blockade schließen wollte, zuerst schießen mußte. Ein so ausbrechender Krieg war den amerikanischen Wählern leichter zu erklären. Im übrigen gab es seit Oktober 1946 eine Vereinbarung der vier Mächte über die gemeinsame Einrichtung einer Luftkontrollzone Berlin und dreier Luftkorridore für die Maschinen der drei Westalliierten zwischen Berlin und Hamburg, Berlin und Hannover und Berlin und Frankfurt.
Berlin hatte 1939 4,3 Millionen Einwohner, 1948 3,2 Millionen, in Westberlin lebten 2,2 Millionen. Die treibende Kraft wurde nun der amerikanische General Lucius D. Clay. Er war entschlossen, es mit der Versorgung auf dem Luftweg zu versuchen. Clay spürte, daß es hier um eine Sache von weltpolitischer Bedeutung ging. Er gehörte zu den typischen Amerikanern, die bei großen Schwierigkeiten sich nicht einfach weinerlich hinstellen und sagen „da kann man halt nichts machen“. Mit Entschlossenheit, Tatkraft und Energie stellte er sich der Herausforderung und war bereit sind, scheinbar Unmögliches zu wagen, und damit riß er auch Zögernde mit. Er gilt als der „Vater der Luftbrücke“.(Dafür wurde später in Berlin die „Clay-Allee“ nach ihm benannt, er wurde Ehrenbürger Berlins und bekam das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.)
Vor der Blockade wurden pro Tag auf dem Straßen-, Schienen- und Wasserweg 8000 Tonnen aus den Westzonen nach Westberlin gebracht. Clay ließ errechnen, daß pro Tag mindestens 4500 Tonnen nach Berlin transportiert werden mußten (Landeszentrale für Politische Bildung, Baden-Württemberg, Politik und Unterricht, Heft 4/88, S. 51). Clay war keineswegs sicher, ob diese Menge zu schaffen war; deshalb fragte er Ernst Reuter, den Oberbürgermeister von Berlin, ob die Berliner auch in großer Not zur Freiheit stehen würden. Ernst Reuter antwortete, die Berliner würden auf jeden Fall auf der Seite der Freiheit stehen. (Es stellte sich dann heraus, daß die Stadt bei strengster Rationierung mindestens 2000 Tonnen verbrauchte [F.A.Z. vom 27. Juni 1998]. Im Frühjahr 1949 war man sogar in der Lage, täglich 8000 Tonnen einzufliegen; a.a.O. S. 51).
Die Luftwaffenführung hielt den Transport der notwendigen Mengen für unmöglich. Noch nie hatten amerikanische Militärmaschinen z. B. Kohle transportiert. In Europa hatten die Amerikaner fast nur die veralteten Transportmaschinen vom Modell „Dakota“ mit 3 Tonnen Nutzlast. (Die modernen Transportmaschinen vom Modell „Skymaster“ mit 12 Tonnen Nutzlast konnten erst später in großer Zahl eingesetzt werden. Die wenigen britischen Transportmaschinen konnten 5,6 Tonnen transportieren.)
Die Hauptlast der Flüge leisteten die Amerikaner, ein Viertel der gesamten Transportleistung der Luftbrücke kam von den Briten. Frankreich hatte alle seine Militärmaschinen im Indochinakrieg eingesetzt und konnte keinen Beitrag leisten. Man schuf ein gemeinsames Einsatzkommando für die amerikanischen und britischen Flugzeuge und begann am 26. Juni Berlin systematisch aus der Luft zu versorgen. Die Amerikaner nannten das Militärunternehmen „Operation Vittles“ (vittles = Lebensmittel)). In den letzten 5 Junitagen wurden in 500 Flügen 1273 Tonnen nach Berlin geflogen, also pro Flug 2,5 Tonnen und 250 Tonnen pro Tag. Aber noch gab es ja die Vorräte in Berlin. Im Juli schaffte man mit 13520 Flügen 62645 Tonnen,, also 2000 Tonnen pro Tag und 4,6 Tonnen pro Flug.
Am 19. Juli telegraphierte Clay an seine Regierung in Washington: „Die Welt sieht sich nach meiner Überzeugung jetzt der entscheidenden Frage, seitdem Hitlers politische Aktion begann, gegenüber. Tatsächlich verfügt die Sowjetregierung sogar über stärkere Mittel, als Hitler sie besaß, um seine Pläne zu verwirklichen. Unter den heutigen Verhältnissen können nur wir die Führung der Welt übernehmen; nur wir sind stark genug, diese aggressive Politik hier und jetzt aufzuhalten. Das nächsten Mal kann es zu spät sein. Eine geschlossene Aktion wird sie jetzt, dessen bin ich sicher, ohne Krieg zum Stehen bringen. Sie kann nur gestoppt werden, wenn wir ein gewisses Risiko auf uns nehmen.“ ( Landesz. f. pol. B. Baden-W., Pol. u. Unt., Heft 4/88, S. 51)
Am 20. Juli 1948 entschied Präsident Truman gegen die militärische Führung der USA: „Wir bleiben in Berlin“, wiederholte er, aber ohne Durchbruch zu Lande, nur mit der Luftbrücke, die mit aller Energie ausgebaut werden sollte. Die britische Regierung schloß sich dieser Entscheidung an bei uneingeschränkter Unterstützung des gesamten britischen Parlaments. Die amerikanische Luftwaffenführung war entsetzt über die Entscheidung Trumans, bedeutete sie doch, daß sämtliche amerikanischen Militärtransportflugzeuge aus USA und der ganzen Welt nach Deutschland verlegt werden mußten. Und nicht einmal dann, so glaubte man zu wissen, würde diese Luftflotte für die Notversorgung Berlins ausreichen.
 
10. Die Luftbrücke
 
(Quellen wie oben; vor allem F.A.Z. vom 27. Juni 1998 und 29. Mai 1998)
Im August übernahm General William Tunner, ein genialer Logistiker, die Organisation der Luftbrücke. Die Transportkapazität hing nicht nur von der Zahl der Flugzeuge, sondern auch von der Zahl der Flüge ab. Statt zwei Flüge pro Tag und Maschine konnten es auch drei oder vier und, wenn man eine zweite Besatzung dazunahm und auch nachts flog, noch mehr sein. Hunderte deutscher Arbeiter mußten ein Flugzeug in Minutenschnelle be- und entladen. Zur Wartung und Reparatur der Maschinen wurde ein neues Prinzip eingeführt: Fachtechniker warteten und reparierten nur ganz bestimmte Teile der Maschinen. Um das Gewicht zu reduzieren, wurden nicht Kartoffeln, Eier und Milch transportiert, sondern Trockenkartoffeln, Ei- und Milchpulver. 67 % der Tonnage bestand aus Kohle für die Berliner Kraftwerke; da Kohlestaub den Maschinen schadete, mußte die Kohle befeuchtet werden.
Die Leistung der Luftbrücke hing auch von der Kapazität der Luftkorridore und Flugplätze ab. In West-Berlin gab es mit Tempelhof und Gatow nur zwei Flugplätze. Hier wurden zwei neue Landebahnen gebaut. In Tegel wurde innerhalb von drei Monaten von 19000 Berliner Arbeitern im Tag- und Nacht-Betrieb ein vollkommen neuer dritter Flugplatz gebaut. Die Briten hatten Wasserflugzeuge, die auf den Berliner Seen landen konnten. Da diese Wasserflugzeuge gegen Korrosion durch Salzwasser geschützt waren, wurde mit ihnen Salz transportiert.
Sehr kompliziert war die Koordinierung der vielen Flugzeuge in der Luft mit ihren verschiedenen Geschwindigkeiten. Auf dem nördlichen und südlichen Korridor wurde nach Berlin geflogen, auf dem mittleren Korridor flogen die Flugzeuge zurück in den Westen. (Auf dem Rückflug transportierten die Flugzeuge Waren der Berliner Industrie oder brachten Berliner Kinder zur Erholung nach Westdeutschland.) Für den nördlichen Flugkorridor wurde auf sechs Flugplätzen gestartet, für den südlichen auf zwei (Frankfurt und Wiesbaden). Geflogen wurde auf 5 unterschiedlichen Flughöhen zwischen 350 und 3500 Metern Höhe. Je nach ihrer Geschwindigkeit mußten sich die Piloten auf ihrer angewiesenen Höhe in die Schlange einfädeln. Höhe und Geschwindigkeit mußten genau eingehalten werden, um beim Landen in Berlin ein Chaos zu vermeiden. Der Abstand zwischen den Flugzeugen war oft nur 14 km. Ein Luftkorridor war 440 km lang und 32 km breit. Bis zu 300 Flugzeuge waren gleichzeitig in der Luft. Die Flugzeit von Frankfurt nach Berlin betrug etwa 2 Stunden; in Berlin gab es eine halbe Stunde Pause und dann ging es zurück. Die Maschinen hatten Flugbenzin für Hin- und Rückflug. Zeitweise landete und startete alle 90 Sekunden eine Maschine in Berlin. Piloten und Luftlotsen leisteten Präzisionsarbeit. Es durfte keinen Stau geben. Konnte ein Pilot die Vorgaben nicht einhalten oder mißlang in Berlin der erste Landeversuch, mußte der Pilot umkehren. Der Ausdruck „wie am Schnürchen“ paßt auf diese Tag und Nacht surrende Transportmaschinerie. Der Flugplatz Tempelhof liegt mitten im Wohngebiet. Das Starten und Landen war hier schwierig, die Flugzeuge flogen hier knapp an den Häusern vorbei. Niemand beschwerte sich über Fluglärm. Es gab bei 175 Millionen Flugkilometern nur 126 Unfälle, bei denen 78 Personen ums Leben kamen: 39 Engländer, 31 Amerikaner und 8 Deutsche. 38 Flugzeuge gingen verloren.
Trotz der Anstrengungen war der Erfolg der Luftbrücke lange unsicher. Bei den Westmächten und in Moskau glaubte man, daß die Sowjetunion am längeren Hebel saß. Der Winter stand bevor. Der Energiebedarf würde bei einem kalten Winter in West-Berlin stark zunehmen. An Herbst- und Wintertagen mit schlechtem Wetter würde man gar nicht oder nur eingeschränkt fliegen können. Ende August begannen in Moskau Verhandlungen der Vier Mächte um das Berlin- und Deutschlandproblem. Lucius D. Clay und Ernst Reuter hatten die Sorge, daß die Westmächte nachgeben würden. Um den Westmächten das Nachgeben schwer zu machen, rief Ernst Reuter die Berliner für den 9. September 1948 zu einer Kundgebung vor dem Reichstag auf. Es kamen Hundertausende, um ihren Freiheitswillen zu bekräftigen. In seiner pathetischen Rede wies Ernst Reuter auf das Freiheitsverlangen und den Widerstandswillen der Berliner hin und er beschwor die „Völker der Welt“, diese Stadt nicht im Stich zu lassen. Die Tatsache, daß fast ganz (West-)Berlin vor dem Reichstag für seine Freiheit demonstrierte, hat die Amerikaner sehr beeindruckt. Die Haltung der Deutschen und vor allem der Berliner war ein wichtiger Faktor im Kräftemessen der Amerikaner mit der Sowjetunion.
Im Oktober erreichte die Luftbrücke die für den Winter erforderliche Tagesleistung von 4500 Tonnen. Im Januar stieg die Tagesleistung an manchen Tagen auf 7000 Tonnen. Der Winter blieb mild. Es gab nur wenige Tage mit schlechtem Wetter, an denen nicht geflogen werden konnte. Im März brachte man mit 22163 Flügen 196150 Tonnen in die Stadt. Das waren 8,8 Tonnen pro Flug und 6327 Tonnen pro Tag. Für den 16. April 1949, den Ostermontag, war schönes Wetter vorhergesagt, und da wollte es der Logistiker General Tunner mit typisch amerikanischem Sportsgeist den Sowjets mal richtig zeigen. In der „Osterparade“ transportierte die Luftbrücke in 1398 Flügen 12941 Tonnen in die Stadt – jede halbe Minute eine Landung in oder ein Start von Berlin, 24 Stunden lang. Das war auf einen Schlag die Verdoppelung der bisherigen Tagesleistung. Ganz offensichtlich machte die Luftbrücke den Amerikanern und Briten inzwischen Spaß.
Der amerikanische Pilot Gail Halvorsen bastelte kleine Fallschirme und hängte Süßigkeiten dran. Bei seinem Anflug auf Tempelhof wackelte er kurz mit den Flügeln und der Co-Pilot warf dann diese Fallschirme aus dem Flugzeugfenster. Viele Kinder warteten täglich auf den „Wackelflieger“. Viele Piloten übernahmen diese Idee. In Amerika bastelten Schulklassen solche Fallschirme und schickten sie den Piloten nach Deutschland. Die Berliner nannten diese Luftbrückenflugzeuge „Rosinenbomber“. Viele Berliner Kinder aßen zum ersten Mal in ihrem Leben Schokolade. Am 20. Dezember 1948 gab es die „Operation Santa Claus“: Für die Berliner Kinder wurden 100000 Spielzeuge nach Berlin geflogen.
 
 
 
11. Das Leben in Berlin während der Blockade
Berlin gehörte zu den Städten, die im Krieg durch die Luftangriffe zu über 50 Prozent zerstört worden war. Die Berliner lebten in kleinen Wohnungen, in Notunterkünften, in Kellern, zwischen Trümmern. An Rationierung von Lebensmitteln und allen anderen Waren war man seit Kriegsbeginn gewöhnt. Während der Blockade war die Lebensmittelversorgung schlechter als im Krieg. Im Durchschnitt gab es pro Einwohner und Tag nur 1600 Kalorien. Die Kalorienmenge war jedoch unterschiedlich in 5 Kategorien, je nachdem ob man Schwerarbeiter oder Kind war. Ab Januar 1949 konnte die durchschnittliche Kalorienmenge auf 1880 Kalorien heraufgesetzt werden. Die kommunistische Stadtverwaltung im sowjetischen Sektor bot den West-Berlinern an, sich in die Kundenlisten der Geschäfte im Ostsektor eintragen zu lassen und dort Kohle und Lebensmittel zu kaufen. Aber nur etwa 100000 West-Berliner gingen darauf ein und sie wurden von den übrigen West-Berlinern wie Verräter behandelt. Manche Berliner begaben sich auf Hamsterfahrt in die benachbarten Dörfer der sowjetischen Zone. Es gab jedoch strenge Kontrollen; wenn man erwischt wurde, wurden die gehamsterten Lebensmittel wieder weggenommen. (In Westdeutschland war im Sommer 1948 die Lebensmittelrationierung weitgehend abgeschafft worden.) Knapp war Energie. Strom und Gas gab es nur wenige Stunden am Tag, oft wurde Strom oder Gas plötzlich und unerwartet abgestellt. Die öffentlichen Verkehrsmittel fuhren nur selten und unregelmäßig. Die den Berlinern zugeteilten Rationen von Kohle und Heizmaterial reichten nicht. Im Winter 48/49 wurde in Berlin viel gehungert und gefroren. Die Sterblichkeit stieg stark an. Viele Berliner gingen nachts in die Berliner Waldgebiete, um Holz zu stehlen. Der „Tiergarten“, ein öffentlicher Park, wurde weitgehend abgeholzt. Die Berliner legten hier Kartoffel- und Gemüsefelder an.
 
 
12. Das Ende der Blockade
 
Die Sowjetunion lenkte ein. Der Winter hatte die Luftbrücke nicht geschwächt, die politischen Ziele waren nicht erreicht worden, im Gegenteil, der politische Preis für die Blockade wurde zu hoch. In New York, am Sitz der UNO, begannen Verhandlungen zwischen dem sowjetischen UNO-Botschafter Malik und dem amerikanischen UNO-Botschafter Jessup. Im Jessup-Malik-Abkommen vom 4. Mai wurde festgelegt, daß die Blockade am 12. Mai 1949 endete. (Bezeichnend ist, daß an diesem Abkommen weder Großbritannien noch Frankreich beteiligt war. Dies macht deutlich, daß es sich bei diesem Konflikt um einen Streit der beiden aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangenen neuen Weltmächte handelte.)
Trotzdem wurde die Luftbrücke bis zum 30. September 1949 fortgesetzt, schwer zu erklären, warum. Vielleicht weil es gerade so gut lief. Um für eine weitere Blockade besser gerüstet zu sein, wurden in West-Berlin riesige Vorratslager an lebensnotwendigen Gütern angelegt, die erst 1990 nach der Wiedervereinigung Berlins und Deutschlands aufgelöst wurden.
Die Luftbrücke war das größte Lufttransportunternehmen der Geschichte und das größte Militärunternehmen der Geschichte in Friedenszeiten. Die Luftbrücke dauerte 462 Tage. Mit 277728 Flügen wurden 2110235 Tonnen Güter nach Berlin transportiert. Davon waren 67 Prozent Kohlen, 24 Prozent Lebensmittel und 9 Prozent sonstige Güter. Darunter waren Rohstoffe, Zeitungspapier, Medikamente und anderes. Transportiert wurden auch 160000 Tonnen Baustoffe zum Bau und zur Reparatur der Flugplätze. Baumaschinen, die zu groß waren, wurden auseinandergeschweißt und in Berlin wieder zusammengesetzt. Ein neues Kraftwerk wurde in Einzelteilen nach Berlin geflogen und dort zusammengebaut. Weil ein Teil zu groß war, ließ man es aus der geöffneten Ladeluke hinten herausragen.
Angesichts des großen politischen Erfolgs der Luftbrücke sind die scheinbar hohen finanziellen Kosten gering zu bewerten. Die amerikanischen und britischen Steuerzahler bezahlten etwa 200000 Dollar für die Luftbrücke. Die Hauptlast trugen die Steuerzahler der Bizone und später der Bundesrepublik Deutschland. Durch Gesetz des Frankfurter Wirtschaftsrates wurde ab Dezember 1948 eine Sondersteuer eingeführt: Jede Postsendung innerhalb der Bizone mußte außer mit der Briefmarke (Normalbrief 20 Pfennig) mit einer kleinen blauen 2-Pfennig-Steuermarke „Notopfer Berlin“ beklebt werden. Dieses Gesetz verlängerte 1949 der Bundestag für die Bundesrepublik Deutschland. Das „Notopfer Berlin“ gab es bis 1956.
Auf dem Militärflugplatz in Frankfurt und beim Flugplatz Tempelhof in Berlin wurde ein Denkmal errichtet. Das „Luftbrückendenkmal“ auf dem „Platz der Luftbrücke“ in Berlin erinnert an die 79 Toten der Luftbrücke.
 
13. Politische Folgen
 
Die Luftbrücke hatte Folgen von historischer Bedeutung.
1. Die Sowjetunion hatte geglaubt, durch die Blockade einen leichten Sieg über die Westmächte erringen zu können. Sie hatte aber genau das Gegenteil von dem bewirkt, war sie hatte erreichen wollen. Die Westmächte, vor allem die USA, hatten, ohne einen Schuß zu tun, einen großen Sieg über die Sowjetunion errungen.
Die Berliner Blockade war der erste Höhepunkt im sogenannten „Kalten Krieg“. Damit bezeichnet man die scharfe Konfrontation der beiden aus dem Zweiten Weltkrieg hervorgegangenen Supermächte USA und Sowjetunion, eine Konfrontation, die an die Grenze des Krieges geriet, aber, weil nicht geschossen wurde, nicht zum heißen Krieg ausartete, sondern beim kalten Krieg blieb. Weitere Höhepunkte des „Kalten Krieges“ waren die Berlin-Krise 1958 bis 1961 und vor allem die Kuba-Krise 1962. Der „Kalte Krieg“ endete erst 1990 mit dem Zusammenbruch des Kommunismus.
2. Die Sowjetunion hatte durch künstliche Herbeiführung einer Hungersnot in West-Berlin die Westmächte erpressen wollen. Sie war am Freiheitswillen der West-Berliner und am Einfallsreichtum der Amerikaner gescheitert. Die Lage hatte sich für die Sowjetunion sogar verschlechtert: Die Westmächte konnten das so mühsam und spektakulär durch die Luftbrücke gehaltene Berlin später nie mehr aufgeben. So war West-Berlin als „Frontstadt“ eine Insel der Freiheit im kommunistischen Meer der Unfreiheit geworden. Um die DDR zu erhalten, mußten die Sowjetunion und die DDR 1961 notgedrungen mit einer Mauer den Ostsektor von den Westsektoren absperren, um den Deutschen der DDR und Ost-Berlins die letzte Fluchtmöglichkeit zu nehmen. Diese lächerliche und absurde Mauer war die Basis, auf der ganze Macht der Sowjetunion von der Elbe bis zum Pazifik beruhte: Als die DDR-Kommunisten am 9. November 1989 unter dem Druck der Ostberliner die Mauer öffnen mußten, brach wenige Monate später der Kommunismus und mit ihm die ganze Sowjetunion zusammen.
3. Die Sowjetunion hatte durch den erhofften Nachgiebigkeit der Westmächte die Machtlosigkeit und Schwäche der USA demonstrieren wollen und das Vertrauen der Deutschen in die Amerikaner untergraben wollen. Das Gegenteil war eingetreten: In den Köpfen der Westdeutschen und der West-Berliner waren durch die Luftbrücke die Amerikaner aus Kriegsgegnern zu Verbündeten im gemeinsamen Widerstand gegen die Sowjetunion und den Kommunismus geworden. Aus den Westmächten waren in West-Berlin Schutzmächte geworden. Die Luftbrücke war eine wichtige Vorstufe zum Bündnis, das 1955 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Westmächten geschlossen wurde.
4. Der Versuch, die Amerikaner in Europa zu schwächen oder zu vertreiben, endete im Gegenteil: Durch die Blockade bewies die Sowjetunion ihren aggressiven Willen, sich auch nach dem Ende des Krieges sich weitere Gebiete zu unterwerfen und zur Hegemonialmacht in Europa zu werden. Damit zwangen sie den Amerikanern die Erkenntnis auf, daß sie in Europa als Gegengewicht bleiben mußten, wenn sie Weltmacht bleiben wollten. Die Möglichkeit, daß sich die Amerikaner wie nach der Ersten Weltkrieg wieder aus Europa zurückzogen, gab es durch die Blockade nicht mehr. Am 4. April 1949, also noch während der Blockade, schlossen die USA mit ihren westeuropäischen Kriegsverbündeten ein Verteidigungsbündnis, die NATO, die einen einfachen Grundgedanken hat: Wenn einer angegriffen wird, verteidigen alle, gerade so, als ob alle angegriffen worden wären. Damit garantierten die USA die Sicherheit Westeuropas gegen die Sowjetunion.
5. Mit der Blockade hatte die Sowjetunion auch den amerikanischen Plan, einen westdeutschen Teilstaat zu gründen, verhindern wollen. Für diesen Plan, der mindestens vorläufig die Teilung Deutschlands bedeutete, brauchten die Amerikaner aber die Zustimmung der Westdeutschen. Durch eine Niederlage der Amerikaner in der Berlin-Frage wollte die Sowjetunion die Westdeutschen veranlassen, ohne die Amerikaner andere Wege in die Zukunft zu suchen, die der Sowjetunion eher entgegenkamen. Auch hier bewirkte die Sowjetunion das Gegenteil: Gerade durch die demonstrierte Aggressivität der Sowjetunion wurden die zögernden westdeutschen Ministerpräsidenten, angetrieben von Ernst Reuter, veranlaßt, das Angebot der Westmächte, einen westdeutschen Teilstaat zu gründen, anzunehmen. Die Vorbereitungen dazu liefen genau während der Monate der Blockade. Am 23. März 1949, also kurz nach der Beendigung der Blockade, wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. (Und 1955 trat diese Bundesrepublik der NATO bei.) Der Preis war allerdings die (vorläufige) Teilung Berlins und Deutschlands. Die Alternative für die Westdeutschen und West-Berliner war, ohne die Amerikaner mehr oder weniger in den Einfluß der Sowjetunion zu geraten.
6. Einige weitere Beobachtungen lassen sich an der Blockade machen:
Als die Sowjetunion Anfang 1948 einige Male die Zufahrt nach Berlin störte, haben die Amerikaner es versäumt, sich energisch dagegen zu wehren. Sie begriffen nicht, daß das Tests waren. Aus der Tatsache, daß die Amerikaner sich diese Behinderungen gerade so gefallen ließen, zog die Sowjetunion einen falschen Schluß: Sie glaubte, die Amerikaner würden auch eine Blockade hinnehmen. Dem Angriff ging eine versäumte Abschreckung voraus.
Die Amerikaner sind nicht, wie manche Leute glauben, schießwütigen Cowboys, die jede Gelegenheit zum Krieg sofort ergreifen. Mit der Gewißheit, alleinige Besitzer der Atombombe zu sein, hätten sie leicht die Blockade als Kriegsgrund gegen die Sowjetunion nehmen können und ihren großen weltpolitischen Gegenspieler bei dieser Gelegenheit besiegen können. Die Amerikaner ließen aber diese günstige Gelegenheit verstreichen. Wenige Jahre später hatte auch die Sowjetunion die Atombombe, und diese Massenvernichtungsmittel bei beiden Supermächten machten einen Krieg praktisch unmöglich.
Manche Leute behaupten auch, die amerikanische Rüstungsindustrie würde die Regierung der USA bei jeder Gelegenheit in Kriege treiben, um Profite zu machen. Auch davon war damals nicht zu erkennen.
Es stimmt auch nicht der Glaube, die höchsten Generäle würden ihre Truppen, ihr „Spielzeug“, gerne in Kriege schicken und die politische Regierung entsprechend unter Druck setzen. Die höchsten amerikanischen Generäle waren damals gegen einen Krieg gegen die Sowjetunion. Und als Truman unter dem Druck politischer Argumente befahl, es mit der Luftbrücke zu versuchen, tat er dies gegen den Rat seiner Luftwaffenführung. Gerade die Luftwaffengeneräle haben die Fähigkeiten ihrer Luftwaffe völlig unterschätzt.
Eine letzte Beobachtung: Seit dem Zweiten Weltkrieg hat sich Europa aus der Weltpolitik weitgehend verabschiedet. Ohne die USA hatten die Westeuropäer der Blockade nichts entgegenzusetzen. Während der gesamten Zeit des Kalten Krieges ist es so geblieben. Und auch nach der Einigung Europas nach 1990 ist es im Grunde so geblieben. Als 1999 die EU und die NATO wegen des Kosovo einen Krieg gegen Serbien beschlossen, waren die europäischen Mächte unfähig, den Krieg gegen das kleine Serbien zu führen. 90 Prozent der Militäreinsätze gegen Serbien mußten die Amerikaner unternehmen. Und noch heute spielt das reiche vereinte Europa wegen seiner geringen militärischen Macht in der Weltpolitik nur eine geringe Rolle.        
 
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